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Gemeinsam Regie führen


Ein Impuls zu Beruf und Familie an der Fest- und Hochzeitsmesse in St.Gallen

Stapel von Filmbüchsen, ein Regiestuhl für zwei Personen, Regieanweisungen. «Ahh, super. Tüend Sie a üsere Hochzig es Video mache?» So die spontane Frage eines jungen Paares, das im Januar 2010 den Stand «Gemeinsam Regie führen» an der Marinatal in Bern besuchte. Was das Video an ihrem Fest betraf, musste ich die beiden enttäuschen. Was aber das Drehbuch und die Regie ihres gemeinsamen Lebens betraf, da konnte ich ihnen am Stand Impulse geben.

Rahmenbedingungen für die Gleichstellung von Frau und Mann
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Schlüsselthema auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichstellung von Frau und Mann. Paare sollen eine faire, partnerschaftliche Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit aushandeln können. Dafür sind in erster Linie förderliche Rahmenbedingungen notwendig
– in der Wirtschaft: Lohngleichheit, Teilzeitarbeit, flexible Arbeitszeitmodelle, Elternurlaub
– bei der familienergänzenden Kinderbetreuung und im Schulsystem: Kinderkrippen, Tagesschulen, Blockzeiten
– in der Sozial- und Familienpolitik: Familienzulagen, Ergänzungsleistungen, Gutschriften für Familien
– bei den Sozialversicherungen: Familienlastenausgleich, Anerkennung der Leistungen von Familien, Erziehungs- und Betreuungsgutschriften
– in der Steuerpolitik: Reformen der Familienbesteuerung, Abzüge für Familien.

Ausserdem besteht Informations- und Sensibilisierungsbedarf für Frauen, Männer, Paare und Familien. Das Projekt «Gemeinsam Regie führen» spricht mit einem interaktiven Informationsstand an Hochzeits- und Familienmessen gezielt junge Paare an, die eine gemeinsame Zukunft planen. Messebesucherinnen und -besucher werden am Stand zu Regisseurinnen und Regisseuren und entwerfen ihren eigenen Familien- oder Vereinbarkeitsfilm.

Die individuelle Lösung
Es gibt heute keine allgemeingültigen Modelle mehr für das Zusammenleben von Paaren und von Familien. Zwei Personen, die zusammenleben, müssen sich über viele Dinge einig werden. Wer übernimmt die Verantwortung fürs Waschen, Putzen, Einkaufen, Kochen? Wie werden die anfallenden, gemeinsamen Kosten bezahlt? Komplexer werden die Fragen, wenn Kinder im gemeinsamen Haushalt leben. Da tauchen Fragen auf nach der Art und Weise der Kinderbetreuung, der Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit. Zusammensitzen und zusammentragen, welche individuellen Vorstellungen zum Zusammenleben und zur Kinderfrage vorhanden sind, was gemeinsam angepackt werden soll und muss, ist notwendig. In lustvollen – und manchmal auch mühsamen – Diskussionen muss beschlossen werden, wer wofür zuständig ist. Es braucht einen langen Atem, bis beide Beteiligten zufrieden sind. Und eine heute stimmige Lösung muss vielleicht in einigen Monaten neu überdenkt werden, weil sich Rahmenbedingungen geändert haben.

Das Zusammenleben entwerfen
Der Messeauftritt «Gemeinsam Regie führen» lädt Paare ein, ihr Zusammenleben bewusst und gemeinsam zu gestalten. Zusammen mit dem Standpersonal kann jedes Paar spielerisch den eigenen Film gestalten. Vom ersten Kuss geht es über die Aufteilung von Haushalt- und Erwerbsarbeit bis zum Thema «Kinder ja oder nein». Drei begleitende Broschüren (siehe unten) helfen, den Impuls zur partnerschaftlichen Ausgestaltung des Berufs- und Familienlebens zu Hause zu vertiefen. Checklisten, Buchempfehlungen und Web-Links unterstützen bei der Regiearbeit.

Seit Jahren sind die Gleichstellungsfachstellen der Kantone Luzern und Bern an der Hochzeitsmesse in Luzern und Bern und die Gleichstellungsfachstelle des Kantons Zürich an der Familienmesse in Winterthur mit einem Stand präsent. In Bern wird es im Februar 2011 bereits das 8. Mal sein. Zum ersten Mal sind wir nun mit dem Stand «Gemeinsam Regie führen» in St.Gallen zu Gast. Die Frauenzentrale, das ForumMann und die Fachstelle UND, die den Stand gemeinsam betreuen werden, können sich auf viele Begegnungen und interessante Diskussionen mit Ostschweizer Paaren freuen.

Die vielen Gespräche am Messeauftritt zeigen uns als Fachstelle immer wieder eindrücklich, wo bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Schuh noch immer drückt, aber auch, wie vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten Paare und Familien im Alltag finden, damit es für alle stimmt.

«Gemeinsam Regie führen» ist ein Kooperationsprojekt der Gleichstellungsfachstellen der Kantone Bern, Luzern und Zürich, des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung sowie der Fachstelle UND.

Esther Fuchs  Kontakt

 

Fest- und Hochzeitsmesse 2011: «Gemeinsam Regie führen»

Die Frauenzentrale ist zusammen mit dem ForumMann und der Fachstelle UND an der Fest- und Hochzeitsmesse in St.Gallen mit dem Stand «Gemeinsam Regie führen» präsent:
Samstag, 15. Januar 2011 und
Sonntag, 16. Januar 2011
10.00 bis 18.00 Uhr
Olma Messen St.Gallen, Halle 3.0, Stand 3.0.29
www.olma-messen.ch


Die Broschüren im Überblick:

Zusammen wohnen, zusammen leben
Zwei Personen ziehen zusammen, ein neues Kapitel beginnt. Vieles wird sich ändern und das Kennenlernen beginnt von Neuem. Wer diesen Lebensabschnitt bewusst partnerschaftlich gestaltet, hat eine spannende Zeit vor sich. Im Leporello «Zusammen wohnen, zusammen leben» gibt es Tipps, wie das Drehbuch für das gemeinsame Leben gestaltet werden kann. Die Kosten des gemeinsamen Haushalts können errechnet werden und wer wie viel beisteuert, sei es in Form von Hausarbeit oder Geld.

Eine Familie gründen
Kaum etwas verändert unser Leben so nachhaltig wie die Gründung einer Familie – privat ebenso wie beruflich. Elternschaft ist ein langfristiges, ja lebenslanges Projekt und Projekte wollen geplant werden. Werte, Vorstellungen und Zukunftspläne der (zukünftigen) Eltern sollen in die Planung einfliessen. Eine Zusammenstellung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Familienmodelle kann bei der Entscheidung helfen, wie die Rollen verteilt werden. Tipps zu rechtlichen und finanziellen Fragen runden die Broschüre ab. Und wenn der neue Star auf dem Filmset einmal da ist und die volle Aufmerksamkeit verlangt, ist es wichtig, ein gutes Drehbuch zu haben.

So klappt’s im Alltag
Die vielfältigen Aufgaben und Pflichten in Erwerbsleben, Partnerschaft und Familie nehmen uns im täglichen Leben oft so in Anspruch, dass wir uns kaum Zeit nehmen, die Gestaltung unserer Alltags zu überdenken. Das dritte Leporello lädt ein, den Film, der sich tagtäglich abspielt, Revue passieren zu lassen. Die Auswertung des Alltag-Check-ups zeigt Veränderungs- und Handlungsmöglichkeiten auf und hilft, Unstimmigkeiten zu finden und Kurskorrekturen durchzuführen. Der gemeinsame Alltag soll nicht bloss funktionieren, er soll auch inspirieren und die Beteiligten zufrieden machen.

Die Broschüren können unter www.gemeinsam-regie-fuehren.ch  heruntergeladen werden.