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Wirtschaft beginnt zu Hause


Haus- und Familienarbeit teilen - ein Gewinn für alle!

Wir freuen uns, Ihnen als Mitglied der Frauenzentrale die kostenlose Teilnahme an unserer spannenden Fachtagung vom Dienstag, 23. November 2010, anbieten zu können. Programm

Gerne künden wir Ihnen die Teilnahme von Erika Forster-Vannini, Präsidentin des Ständerats, an. Als langjähriges Mitglied der Frauenzentrale nimmt sie sich trotz prall gefülltem Terminkalender die Zeit, sich zu diesem vielschichtigen Thema zu äussern.

Bei der Planung und Organisation dieser Fachtagung durften wir auf die tatkräftige Unterstützung von Kathrin Wirz vom Kompetenzzentrum für Integration, Gleichstellung und Projekte des Kantons St.Gallen zählen. Um auch die Männersicht immer im Auge zu behalten, wirkte Cornel Rimle vom ForumMann aktiv mit und brachte viele gute Ideen ein. Herzlichen Dank!

Zwei Mitwirkende, Bänz Friedli als Moderator und Jacqueline Schön-Bühlmann als Referentin, geben uns mit ihren folgenden Beiträgen einen Vorgeschmack auf die Veranstaltung.


Die extrem belastbaren CEOs
Bänz Friedli plädiert für mehr Männer am Herd und mehr Frauen in der Berufswelt. Wer würde profitieren? Alle.

Trinke ich jetzt noch den Frühstückstee oder arbeite ich schon? Die Kinder zu wecken, sie in der Kleiderwahl zu beraten – «Vati, ist heut kurz- oder langärmliges Wetter? Vati, sag, warum nicht kurzärmlig?» –, sie vom Lego-Feuerwehrboot wegzulotsen, ihnen Frühstück zu bereiten und Znüni einzupacken, war anstrengend. Tochter Anna Luna ist dann doch kurzärmlig aus dem Haus gestürmt; sie hat, weil mein Bescheid ihr nicht passte, rasch eine Second Opinion beim Mueti eingeholt. «Vergiss nicht: Die längste Seite eines rechtwinkligen Dreiecks heisst Hy-po-te-nu-se!», rufe ich ihr noch nach, «tschü-h-üüüss, bis am Mittag!» Jetzt sind sie auf der Piste. 08.11 Uhr, meine Zeit beginnt. Doch es ist, wenn man sein eigener Chef ist, ein bisschen schwierig, den Arbeitsbeginn festzulegen. Ich müsste die Betten auslüften, das Badezimmer putzen, staubsaugen. Müsste Zahlungen erledigen, Hans’ neuen Telefonalarm laminieren, einkaufen… Aber mein Chef, also ich, kann mich mal. Jetzt blättere ich erst mal in der Zeitung.
Von einem «selbständigen und dynamischen Tätigkeitsbereich» lese ich da. «Sie handeln proaktiv, sind entscheidungsfreudig, flexibel, vielseitig, extrem belastbar, klar in Ihren Aussagen und konsequent in Ihrem Tun.» Meinen die mich? «Sie sind initiativ, stark in der Kommunikation, besitzen Einsatzbereitschaft, organisatorisches Geschick, strategisch-konzeptionelles Flair und eine ausgeprägte Fähigkeit zur Konfliktlösung.» Die müssen mich meinen! «Eine verhandlungssichere und verantwortungsvolle Persönlichkeit, die sich durchzusetzen weiss.»
Ups, bin im Stellenanzeiger für Kaderpositionen gelandet. Gesucht werden: Ein CEO für die Jungfraubahn, ein Leiter Finanzen/Administration im Immobilienbereich, ein Senior Operations Product Capabilities Manager und ein Controller für die Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion. Ich schenk mir noch ein Tässchen Rauchtee ein, und mir ist, als stünde in all den Inseraten «Gesucht: Hausfrau/-mann».
Wer hat sich täglich mit Genfood und Klimaerwärmung auseinanderzusetzen, mit Eurokurs und Feinstaub, überhaupt mit allen brennenden Fragen? Gibt es eine gesellschaftlich wichtigere Aufgabe, als diejenige, Kinder auf ihrem Weg zu möglichst vernünftigen Erwachsenen zu begleiten? Und gibt es eine taffere? Feierabend ist nie, Lohn gibts keinen, Anerkennung sowieso nicht. Dazu meist zero Unterstützung vom Partner. Zwar finden die meisten Leute das traditionelle Familienbild «Frau am Herd, Papi geht Kohle anbaggern» doof. Trotzdem leben alle so. Dabei wäre es ganz einfach: Sie geht auch arbeiten, er bleibt auch daheim.
Teilen sich Mütter und Väter Hausarbeit und Kinderbetreuung, profitieren alle. Die Frauen, weil sie im Beruf Talente entfalten können, die im Haushalt brach lägen. Die Männer, weil sie eine echte Bindung zu ihren Kindern aufbauen können; die gedeiht im Alltag, nicht im Europapark. Auch die Kinder profitieren, sie haben es verflixt gut raus, bei wem sie zum Zvieri mal Citron statt Wasser «läschelen» können, und wer von den Eltern dafür weniger schimpft, wenn sie kiloweise Sandkastensand in die frisch geputzte Wohnung schleifen. Die Wirtschaft profitiert, weil Frauen auf andere Lösungen kommen. Die Arbeitgeber profitieren, weil Teilzeitlerinnen motiviert und effizient arbeiten, derweil sich die 100-Prozent-Kollegen am firmeneigenen Jöggelikasten vergnügen oder sich auf Facebook tummeln.
Warum also den anspruchsvollsten, aber auch beglückendsten Job der Welt nicht aufteilen? Sollte ihm die Bezeichnung Teilzeithausmann missfallen, kann er sich immer noch «Familien-CEO im Jobsharing» nennen. Anforderungsprofil: Siehe oben!
Bänz Friedli  Kontakt

Unbezahlte Haus- und Betreuungsarbeit
Der ungleiche Beitrag von Frauen und Männern zu einem ökonomisch bedeutenden Bereich

Haben Sie gewusst, dass in der Schweiz mehr unbezahlt als bezahlt gearbeitet wird? 2007 wurden von der gesamten ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren rund 8,7 Milliarden Stunden unbezahlt für Haus- und Betreuungsarbeiten sowie für Freiwilligenarbeit aufgewendet, Frauen leisten davon 62,7 Prozent. Demgegenüber stehen 7,3 Milliarden bezahlte Erwerbsarbeitsstunden, Männer leisten davon 63,5 Prozent.
Im Satellitenkonto Haushaltsproduktion des Bundesamtes für Statistik wird die unbezahlte Arbeit monetär bewertet, damit sie in Bezug gesetzt werden kann zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Dies mittels der durchschnittlichen Arbeitskosten pro geleistete Arbeitsstunde von vergleichbaren Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Für 2007 ergab das einen geschätzten Geldwert von rund 370 Milliarden Franken. Diese produktiven Leistungen der privaten Haushalte entsprechen rund 45 Prozent der Bruttowertschöpfung in der (um die Haushaltsproduktion) erweiterten Gesamtwirtschaft.
Auch auf der Ebene der Haushalte und Personen zeigen sich zum Teil erstaunliche Ergebnisse zu diesem Verhältnis von bezahlter und unbezahlter Arbeit. In Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 7 Jahren, wenden Mütter und Väter zusammengerechnet durchschnittlich pro Woche rund 91 Stunden für Haus- und Familienarbeit auf und rund 53 Stunden für Erwerbsarbeit. Ist das jüngste Kind im Schulalter, liegen die Werte bei 71 Stunden und 60 Stunden pro Woche.
Die sehr hohe zeitliche Gesamtbelastung durch Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit für Eltern ist ein Ausdruck der Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Für Mütter und Väter mit jüngstem Kind unter 7 Jahren übersteigt sie mit über 70 Stunden pro Woche die wöchentliche Normalarbeitszeit im Erwerbsleben bei Weitem.
Zudem führt die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern dazu, dass sich für sie unterschiedliche Probleme bezüglich Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellen. Bisher haben vor allem die Frauen den Hauptteil der Haus- und Familienarbeit übernommen und ihre Erwerbstätigkeit der familiären Situation angepasst. Somit haben sie den Grossteil zur Lösung der Vereinbarkeitsproblematik übernommen – mit all den positiven und negativen Aspekten, welche dies mit sich bringen kann.
Jacqueline Schön-Bühlmann  Kontakt