Das Literaturcafé spezial im Zeichen der Frauenjubiläen
Das Literaturcafé spezial im Zeichen der Frauenjubiläen
Anstoss für das Literaturcafé spezial am 9. Mai 2011 waren die besonderen Jubiläen, welche uns Frauen in diesem Jahr beschäftigen: 100 Jahre internationaler Frauentag, 40 Jahre Frauenstimmrecht, 30 Jahre Verfassungsartikel «Gleiche Rechte für Mann und Frau», 20 Jahre Frauenstreik, 15 Jahre Gleichstellungsgesetz. Drei politisch denkende und engagierte Frauen nahmen auf dem Podium Platz und äusserten sich über die vergangene und künftige Frauenbewegung.
Die Bücherpräsentation
Nein, das Buch stirbt nicht. Auch wenn seit geraumer Zeit ähnliche Prognosen immer wieder durch die Medienlandschaft kursieren. Dass das Buch lebt und das Interesse an der Literatur ungebrochen ist, haben wir an diesem Literaturcafé in der Buchhandlung Rösslitor in St.Gallen erlebt. Eine grosse Anzahl Besucherinnen erwartete mit Spannung die Neuerscheinungen, die von den Buchhändlerinnen Bettina Zeidler, Ute Wehrli, Claudia Stärk, Yasemin Hutter und Maria König präsentiert wurden. Jedes Jahr erscheinen Hunderte, ja Tausende von Büchern über sämtliche Themen des Mensch-Seins. Die Fachfrauen haben aus dieser riesigen Masse eine Handvoll neuer Titel ausgesucht.
Und darum ging‘s
Um eine schlichte, schöne und melancholische Liebesgeschichte, ein verstörender Akt der Gewalt, ein philosophisches Werk über Versagensängste. Wir tauchten ein in die Vergangenheit des alten osmanischen Reiches, wurden in die Welt der Buchrestauration mitgenommen. Geschichten wurden verwoben mit den kräftigen Farben Siziliens und düsteren Tönen einer Krankheit. Fragen wurden gestellt: Gibt es ein Schicksal, ist es beeinflussbar? Aus einer wilden, alkoholgetränkten Nacht entsteht ein wunderbares Fotobuch über das Meer. Abgrundtiefe Gräben zwischen den Rassen und die Rebellion eines schwarzen Dienstmädchens gegen die Gewalt der Weissen wurden beschrieben.
Gute Unterhaltung zu liefern und einprägsame Inhalte zu vermitteln ist eine grosse Kunst. Den fünf Buchhändlerinnen ist es auch in diesem Literaturcafé gelungen, die Lust aufs Lesen zu wecken. Die Büchertipps der Buchhändlerinnen
Um eine schlichte, schöne und melancholische Liebesgeschichte, ein verstörender Akt der Gewalt, ein philosophisches Werk über Versagensängste. Wir tauchten ein in die Vergangenheit des alten osmanischen Reiches, wurden in die Welt der Buchrestauration mitgenommen. Geschichten wurden verwoben mit den kräftigen Farben Siziliens und düsteren Tönen einer Krankheit. Fragen wurden gestellt: Gibt es ein Schicksal, ist es beeinflussbar? Aus einer wilden, alkoholgetränkten Nacht entsteht ein wunderbares Fotobuch über das Meer. Abgrundtiefe Gräben zwischen den Rassen und die Rebellion eines schwarzen Dienstmädchens gegen die Gewalt der Weissen wurden beschrieben.
Gute Unterhaltung zu liefern und einprägsame Inhalte zu vermitteln ist eine grosse Kunst. Den fünf Buchhändlerinnen ist es auch in diesem Literaturcafé gelungen, die Lust aufs Lesen zu wecken. Die Büchertipps der Buchhändlerinnen
Das Podiumsgespräch mit Gästen
Vieles haben wir Frauen schon erreicht. Und trotz dieser Meilensteine dürfen wir uns nicht zurücklehnen, der Prozess geht weiter. Dies erklärte Susanne Vincenz-Stauffacher, die Präsidentin der Frauenzentrale des Kantons St.Gallen, zu Beginn der Gesprächsrunde mit den drei Frauen aus drei Generationen. Sie erzählen von ihrem politischen Werdegang, den Erinnerungen an die Ereignisse, deren Jubiläen wir in diesem Jahr feiern, und präsentieren ein Buch, welches sie besonders geprägt und beeindruckt hat. Die Podiumsteilnehmerinnen und ihre Bücher
Vieles haben wir Frauen schon erreicht. Und trotz dieser Meilensteine dürfen wir uns nicht zurücklehnen, der Prozess geht weiter. Dies erklärte Susanne Vincenz-Stauffacher, die Präsidentin der Frauenzentrale des Kantons St.Gallen, zu Beginn der Gesprächsrunde mit den drei Frauen aus drei Generationen. Sie erzählen von ihrem politischen Werdegang, den Erinnerungen an die Ereignisse, deren Jubiläen wir in diesem Jahr feiern, und präsentieren ein Buch, welches sie besonders geprägt und beeindruckt hat. Die Podiumsteilnehmerinnen und ihre Bücher
Margrith Bigler-Eggenberger
Vierzig Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts stellen die Frauen die Mehrheit im Bundesrat. Die höchsten politischen Präsidien im Bundeshaus waren letztes Jahr von Frauen besetzt. Dieses Bild zeigt, dass die Schweizerinnen aufgeholt haben. Wie schwierig der Weg war, hat das Gespräch mit Margrith Bigler-Eggenberger gezeigt. Sie war die erste Frau am Bundesgericht und musste viele Negativ-Schlagzeilen verkraften, weil sie sich damals für die Fristenregelung einsetzte. «Eine Mörderin im Bundesgericht?» war nur einer der Zeitungstitel, mit denen sie diffamiert wurde. Während 17 Jahren war sie die einzige Frau am Bundesgericht.
Besonders in Erinnerung blieb ihr der erste Frauenstreiktag unter dem Motto «Wenn Frau will, steht alles still» vom 14. Juni 1991. Damals hätten sich die Gerichtsschreiberinnen und Richterinnen zum Kaffeetrinken zusammengesetzt, was mit grosser Verwunderung von den männlichen Kollegen registriert wurde. Margrith Bigler-Eggenberger stellte eine vergriffene Biografie über Anna Siemsen (1882-1951) vor. Dieses Buch über eine grosse Pädagogin und engagierte Politikerin war ihr staatsbürgerlicher Talisman und wichtige Literatur für ihre eigene politische Entwicklung.
Vierzig Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts stellen die Frauen die Mehrheit im Bundesrat. Die höchsten politischen Präsidien im Bundeshaus waren letztes Jahr von Frauen besetzt. Dieses Bild zeigt, dass die Schweizerinnen aufgeholt haben. Wie schwierig der Weg war, hat das Gespräch mit Margrith Bigler-Eggenberger gezeigt. Sie war die erste Frau am Bundesgericht und musste viele Negativ-Schlagzeilen verkraften, weil sie sich damals für die Fristenregelung einsetzte. «Eine Mörderin im Bundesgericht?» war nur einer der Zeitungstitel, mit denen sie diffamiert wurde. Während 17 Jahren war sie die einzige Frau am Bundesgericht.
Besonders in Erinnerung blieb ihr der erste Frauenstreiktag unter dem Motto «Wenn Frau will, steht alles still» vom 14. Juni 1991. Damals hätten sich die Gerichtsschreiberinnen und Richterinnen zum Kaffeetrinken zusammengesetzt, was mit grosser Verwunderung von den männlichen Kollegen registriert wurde. Margrith Bigler-Eggenberger stellte eine vergriffene Biografie über Anna Siemsen (1882-1951) vor. Dieses Buch über eine grosse Pädagogin und engagierte Politikerin war ihr staatsbürgerlicher Talisman und wichtige Literatur für ihre eigene politische Entwicklung.
Heidi Hanselmann
Als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde, war die heutige Regierungsrätin Heidi Hanselmann gerade mal zehn Jahre alt. Sie erinnert sich sehr gut daran, wie ihre Mutter mit Stolz das erste Mal an die Urne ging und das Stimmrecht als Geschenk betrachtete und es entsprechend zelebrierte. Nicht abstimmen – das geht nicht. Das war das Credo in ihrer Familie.
Ihr ist es ein Anliegen, dass die Geschichte nicht vergessen geht. In ihrer Schulzeit wurden die Mädchen noch von Geometrie und Algebra ausgeschlossen. Liebend gern hätte sie Fussball gespielt. Auch das war den Mädchen verwehrt. Als sie ins Lehrerseminar wollte, musste sie die Schulfächer der Buben nachholen, um zur Aufnahmeprüfung zugelassen zu werden. Auch für sie war der erste Frauenstreiktag ein prägendes Erlebnis. Damals arbeitete sie im Kantonsspital. Obwohl die Order galt, dass entlassen wird, wer streikt, haben es die Mitarbeiterinnen geschafft, ein Zeichen zu setzen. Das Spital wurde violett dekoriert und nur Frauen wurden an diesem Tag therapiert. Ein weiteres Motto des Frauenstreiktages war denn auch «Wenn Frauen wollen, kommt vieles ins Rollen».
Heidi Hanselmann brachte das Buch «Schritte an der Grenze» von Evelyne Binsack mit. Das Leben der Autorin war in früheren Jahren geprägt von der Emanzipation in den Bergen. Sie erlebte noch, dass Frauen nicht auf Expeditionen mitgenommen wurden, weil dies Unglück bringen soll. Evelyne Binsack brach in eine Männerdomäne ein und liess sich zu einer der wenigen diplomierten Bergführerinnen Europas ausbilden. 2001 stand sie als erste Schweizerin auf dem Mount Everest. Ihr Bestreben war es, am Berg aufzuzeigen, dass Frauen sich in den Bergen anders verhalten, dass sich Frauen und Männer aber bestens ergänzen. Sie gab niemals auf, packte an und stand vor die Entscheidung: Beruf und/oder Familie?
Als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde, war die heutige Regierungsrätin Heidi Hanselmann gerade mal zehn Jahre alt. Sie erinnert sich sehr gut daran, wie ihre Mutter mit Stolz das erste Mal an die Urne ging und das Stimmrecht als Geschenk betrachtete und es entsprechend zelebrierte. Nicht abstimmen – das geht nicht. Das war das Credo in ihrer Familie.
Ihr ist es ein Anliegen, dass die Geschichte nicht vergessen geht. In ihrer Schulzeit wurden die Mädchen noch von Geometrie und Algebra ausgeschlossen. Liebend gern hätte sie Fussball gespielt. Auch das war den Mädchen verwehrt. Als sie ins Lehrerseminar wollte, musste sie die Schulfächer der Buben nachholen, um zur Aufnahmeprüfung zugelassen zu werden. Auch für sie war der erste Frauenstreiktag ein prägendes Erlebnis. Damals arbeitete sie im Kantonsspital. Obwohl die Order galt, dass entlassen wird, wer streikt, haben es die Mitarbeiterinnen geschafft, ein Zeichen zu setzen. Das Spital wurde violett dekoriert und nur Frauen wurden an diesem Tag therapiert. Ein weiteres Motto des Frauenstreiktages war denn auch «Wenn Frauen wollen, kommt vieles ins Rollen».
Heidi Hanselmann brachte das Buch «Schritte an der Grenze» von Evelyne Binsack mit. Das Leben der Autorin war in früheren Jahren geprägt von der Emanzipation in den Bergen. Sie erlebte noch, dass Frauen nicht auf Expeditionen mitgenommen wurden, weil dies Unglück bringen soll. Evelyne Binsack brach in eine Männerdomäne ein und liess sich zu einer der wenigen diplomierten Bergführerinnen Europas ausbilden. 2001 stand sie als erste Schweizerin auf dem Mount Everest. Ihr Bestreben war es, am Berg aufzuzeigen, dass Frauen sich in den Bergen anders verhalten, dass sich Frauen und Männer aber bestens ergänzen. Sie gab niemals auf, packte an und stand vor die Entscheidung: Beruf und/oder Familie?
Yvonne Suter
Die junge Kantonsrätin Yvonne Suter hat Staatswissenschaften studiert und ist erst seit kurzem im Kantonsrat. Ihre Achtung gilt all den Frauen, die sich für ihre Rechte eingesetzt haben. Sie findet es bedenklich, dass die junge Generation selten an Abstimmungen teilnimmt. Ihrer Meinung nach ist es eine Folge des Wohlstandes, der guten Ausbildungschancen, dass junge Menschen nicht mehr zu kämpfen brauchen. Auch für sie stellt sich die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier gibt es noch viel zu tun!
Yvonne Suters favorisiertes Buch ist eine Biographie über Winston Churchill. Der Autor Sebastian Haffner schafft es in wenigen Seiten, ganz präzise die Persönlichkeit Churchills zu beschreiben. Entgegen allen Widerständen blieb Churchill seinen Prinzipien treu. Er hatte Mut zu Visionen, einen unglaublichen Kampfesgeist und er setzte sich immer wieder für die Grundwerte ein. Er war mutig und hatte die Kraft, allein mit England in den Krieg gegen Hitler zu treten und damit den Ausschlag zur Kriegswende gegeben. Niederlagen und Erfolge wechselten sich ab, trotzdem stellte er immer die Sachpolitik und nicht den Populismus in den Vordergrund. Yvonne Suter findet, dass wir uns für die Schweiz einsetzen sollten, wie Churchill es für England getan hat.
Die junge Kantonsrätin Yvonne Suter hat Staatswissenschaften studiert und ist erst seit kurzem im Kantonsrat. Ihre Achtung gilt all den Frauen, die sich für ihre Rechte eingesetzt haben. Sie findet es bedenklich, dass die junge Generation selten an Abstimmungen teilnimmt. Ihrer Meinung nach ist es eine Folge des Wohlstandes, der guten Ausbildungschancen, dass junge Menschen nicht mehr zu kämpfen brauchen. Auch für sie stellt sich die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier gibt es noch viel zu tun!
Yvonne Suters favorisiertes Buch ist eine Biographie über Winston Churchill. Der Autor Sebastian Haffner schafft es in wenigen Seiten, ganz präzise die Persönlichkeit Churchills zu beschreiben. Entgegen allen Widerständen blieb Churchill seinen Prinzipien treu. Er hatte Mut zu Visionen, einen unglaublichen Kampfesgeist und er setzte sich immer wieder für die Grundwerte ein. Er war mutig und hatte die Kraft, allein mit England in den Krieg gegen Hitler zu treten und damit den Ausschlag zur Kriegswende gegeben. Niederlagen und Erfolge wechselten sich ab, trotzdem stellte er immer die Sachpolitik und nicht den Populismus in den Vordergrund. Yvonne Suter findet, dass wir uns für die Schweiz einsetzen sollten, wie Churchill es für England getan hat.
Der anschliessende Apéro bot Gelegenheit zu anregenden Gesprächen und war der Abschluss eines wunderbar weiblich inspirierten Abends.
Yvonne Brunner-Hänni, Vorstandsmitglied


