Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus studentischer Perspektive
Von Karrierefrauen und Familienernährern, Hausmännern und Müttern, Softies und modernen emanzipierten Frauen
Die Familiengründung wird heute neben der Berufswahl und dem ersten Karriereschritt als entscheidender geschlechtsspezifischer Wendepunkt im Lebensverlauf angesehen. Während die Berufs- und auch die Studienfachwahl sehr geschlechtsspezifisch verläuft, erleben sich Studentinnen und Studenten in der grossen Mehrzahl an der Uni als gleich. Zumeist schaffen sie es auch, nach dem Studienabschluss vergleichbar qualifizierte Stellen zu besetzen. Ungleichheiten machen sich dann spätestens wieder zum Zeitpunkt einer möglichen ersten Beförderung oder auch eines ersten Jobwechsels bemerkbar.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus studentischer Perspektive
Während Männer eher auf der «gläsernen Rolltreppe» schnell und ohne Umwege in die oberen Führungsetagen fahren, drohen Frauen schon bald an die «gläserne Decke» zu stossen, die Frauen genau von diesem Weg abzuhalten scheint. Hinzu kommt, dass eine zum Teil zeitgleich stattfindende Familiengründung nach wie vor mit für Frauen und Männern unterschiedlichen Konsequenzen einhergeht. Wird bei kinderlosen Paaren die Hausarbeit häufig partnerschaftlich geteilt, verändert sich dieses Bild, sobald ein Kind geboren wird und verstärkt sich nochmals mit der Geburt des zweiten Kindes. Obwohl heutzutage vier von fünf Müttern berufstätig sind, tragen sie und nicht die Väter die Hauptarbeit in Haushalt und Familie.
Doch wie sehen heutige Studierende der Universität St.Gallen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Wie möchten sie später einmal Beruf und Familie vereinbaren? Ist das mit Anfang 20 überhaupt ein wichtiges Thema und wenn ja, welche Herausforderungen sehen sie bereits heute auf sich zukommen?
Während Männer eher auf der «gläsernen Rolltreppe» schnell und ohne Umwege in die oberen Führungsetagen fahren, drohen Frauen schon bald an die «gläserne Decke» zu stossen, die Frauen genau von diesem Weg abzuhalten scheint. Hinzu kommt, dass eine zum Teil zeitgleich stattfindende Familiengründung nach wie vor mit für Frauen und Männern unterschiedlichen Konsequenzen einhergeht. Wird bei kinderlosen Paaren die Hausarbeit häufig partnerschaftlich geteilt, verändert sich dieses Bild, sobald ein Kind geboren wird und verstärkt sich nochmals mit der Geburt des zweiten Kindes. Obwohl heutzutage vier von fünf Müttern berufstätig sind, tragen sie und nicht die Väter die Hauptarbeit in Haushalt und Familie.
Doch wie sehen heutige Studierende der Universität St.Gallen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Wie möchten sie später einmal Beruf und Familie vereinbaren? Ist das mit Anfang 20 überhaupt ein wichtiges Thema und wenn ja, welche Herausforderungen sehen sie bereits heute auf sich zukommen?
Traditionell oder Partnerschaftlich?
Befragt nach ihren Wunschvorstellungen für eine zukünftige Familie beschreiben die meisten Studierenden, dass sie später gerne einmal eine Familie haben möchten. «Später» bedeutet dabei zumeist jenseits der 30, wobei frühere Zeitpunkte eher von Frauen, spätere eher von Männern gewählt werden. Prinzipiell wünschen sich die meisten eine partnerschaftliche Arbeitsteilung, entweder nach dem Modell der «Dual Career Couples», also einer Partnerschaft, in der beide Partner hoch qualifiziert sind und ihre beruflichen Ziele zu gleichen Teilen weiter verfolgen. Zur Unterstützung wären dabei Kinderkrippen, Au-Pairs und Haushaltshilfen wichtig. Ein zweites Modell ist das der «50/50-Aufteilung». Hier steht die Teilzeitarbeit beider Partner im Unterschied zur Karriereorientierung des ersten Modells im Vordergrund. Beiden Modellen gemeinsam ist jedoch der Anspruch an eine gleichberechtigte Partnerschaft, in der kontext- und situationsabhängig miteinander entschieden werden kann, wie Beruf und Familie vereinbart werden können. Soweit zur Utopie, nun zur Realität. Denn den Studentinnen und Studenten ist sehr wohl bewusst, dass ihre Vorstellungen heute nur schwierig umsetzbar sind. Sie beschreiben nicht nur konkrete Herausforderungen und Hindernisse, sondern zugleich auch Lösungsvorschläge.
Befragt nach ihren Wunschvorstellungen für eine zukünftige Familie beschreiben die meisten Studierenden, dass sie später gerne einmal eine Familie haben möchten. «Später» bedeutet dabei zumeist jenseits der 30, wobei frühere Zeitpunkte eher von Frauen, spätere eher von Männern gewählt werden. Prinzipiell wünschen sich die meisten eine partnerschaftliche Arbeitsteilung, entweder nach dem Modell der «Dual Career Couples», also einer Partnerschaft, in der beide Partner hoch qualifiziert sind und ihre beruflichen Ziele zu gleichen Teilen weiter verfolgen. Zur Unterstützung wären dabei Kinderkrippen, Au-Pairs und Haushaltshilfen wichtig. Ein zweites Modell ist das der «50/50-Aufteilung». Hier steht die Teilzeitarbeit beider Partner im Unterschied zur Karriereorientierung des ersten Modells im Vordergrund. Beiden Modellen gemeinsam ist jedoch der Anspruch an eine gleichberechtigte Partnerschaft, in der kontext- und situationsabhängig miteinander entschieden werden kann, wie Beruf und Familie vereinbart werden können. Soweit zur Utopie, nun zur Realität. Denn den Studentinnen und Studenten ist sehr wohl bewusst, dass ihre Vorstellungen heute nur schwierig umsetzbar sind. Sie beschreiben nicht nur konkrete Herausforderungen und Hindernisse, sondern zugleich auch Lösungsvorschläge.
Teilzeit auch in Führungspositionen?
Eine Voraussetzung, um Beruf und Familie auch mit einer anspruchsvollen Karriere verbinden zu können, wäre, auch in Führungspositionen Teilzeit arbeiten zu können. Die heutigen Möglichkeiten dazu werden jedoch insbesondere von den Männern als sehr unrealistisch eingeschätzt, obwohl sie eine 80 Prozent Beschäftigung eigentlich als optimal ansehen würden. Modelle wie «Top Sharing», also zwei Personen, die sich eine Führungsposition teilen, oder flexible Arbeitszeitmodelle, insbesondere aber die Einsicht, dass Leistung und Engagement nicht über die verbrachte Zeit am Arbeitsplatz gemessen werden können, sondern über die erzielten Resultate, wären hier dringend notwendig. Was hier stattfinden müsste, wäre ein Wandel in den Köpfen von Arbeitgebenden, aber auch bei Arbeitnehmenden selbst.
Eine Voraussetzung, um Beruf und Familie auch mit einer anspruchsvollen Karriere verbinden zu können, wäre, auch in Führungspositionen Teilzeit arbeiten zu können. Die heutigen Möglichkeiten dazu werden jedoch insbesondere von den Männern als sehr unrealistisch eingeschätzt, obwohl sie eine 80 Prozent Beschäftigung eigentlich als optimal ansehen würden. Modelle wie «Top Sharing», also zwei Personen, die sich eine Führungsposition teilen, oder flexible Arbeitszeitmodelle, insbesondere aber die Einsicht, dass Leistung und Engagement nicht über die verbrachte Zeit am Arbeitsplatz gemessen werden können, sondern über die erzielten Resultate, wären hier dringend notwendig. Was hier stattfinden müsste, wäre ein Wandel in den Köpfen von Arbeitgebenden, aber auch bei Arbeitnehmenden selbst.
Kinderbetreuung
Die schönste Teilzeitstelle nutzt jedoch nichts, wenn die Kinder während der Arbeitszeit nicht betreut werden. Können weder Vater noch Mutter diese Aufgabe übernehmen, kommen in der Schweiz in erster Linie das «Grosi» oder andere Familienangehörige in die engere Auswahl. Aber auch diese Betreuungslösungen sind heutzutage schwierig, viele Familien wohnen zu weit von der eigenen Familie entfernt. Kinderkrippen werden als alternative Möglichkeit entweder stark unterstützt, oder aber vehement in Frage gestellt. Einerseits braucht man ihre Unterstützung, wenn man als Paar mehr als 100 Prozent arbeiten möchte und die eigene Familie nicht vor Ort ist. Andererseits befürchtet man, dass eine sogenannte «Drittbetreuung» ausserhalb der eigenen Familie nicht gut für ein Kind sein könnte. Dieser Punkt, verbunden mit einer Idealisierung der Wichtigkeit der Mutter für das Kind, wird aber immer häufiger kritisch diskutiert. So stellt sich z.B. die Frage, ob die von Gleichaltrigen isolierte Betreuung von Kindern in der Kleinfamilie wirklich die Beste für ein Kind sei. Die Betreuung in einer Kinderkrippe erscheint hier vielen als angemessener als die häufig in der Familie gegebene «Einzelhaft». In der Krippe arbeiten professionell ausgebildete Kleinkinderzieherinnen, in seltenen Fällen auch mal ein Erzieher. Das Kind kann seine sozialen Kompetenzen in einer Gruppe von verschieden alten Kindern entwickeln und lernen, selbständig Beziehungen auch ausserhalb der Familie aufzubauen.
Die schönste Teilzeitstelle nutzt jedoch nichts, wenn die Kinder während der Arbeitszeit nicht betreut werden. Können weder Vater noch Mutter diese Aufgabe übernehmen, kommen in der Schweiz in erster Linie das «Grosi» oder andere Familienangehörige in die engere Auswahl. Aber auch diese Betreuungslösungen sind heutzutage schwierig, viele Familien wohnen zu weit von der eigenen Familie entfernt. Kinderkrippen werden als alternative Möglichkeit entweder stark unterstützt, oder aber vehement in Frage gestellt. Einerseits braucht man ihre Unterstützung, wenn man als Paar mehr als 100 Prozent arbeiten möchte und die eigene Familie nicht vor Ort ist. Andererseits befürchtet man, dass eine sogenannte «Drittbetreuung» ausserhalb der eigenen Familie nicht gut für ein Kind sein könnte. Dieser Punkt, verbunden mit einer Idealisierung der Wichtigkeit der Mutter für das Kind, wird aber immer häufiger kritisch diskutiert. So stellt sich z.B. die Frage, ob die von Gleichaltrigen isolierte Betreuung von Kindern in der Kleinfamilie wirklich die Beste für ein Kind sei. Die Betreuung in einer Kinderkrippe erscheint hier vielen als angemessener als die häufig in der Familie gegebene «Einzelhaft». In der Krippe arbeiten professionell ausgebildete Kleinkinderzieherinnen, in seltenen Fällen auch mal ein Erzieher. Das Kind kann seine sozialen Kompetenzen in einer Gruppe von verschieden alten Kindern entwickeln und lernen, selbständig Beziehungen auch ausserhalb der Familie aufzubauen.
Eigene Identität als Mann oder Frau
Auch wenn sowohl Studentinnen als auch Studenten vermehrt eine partnerschaftliche Rollenverteilung einer traditionellen vorzuziehen scheinen, so wird die Möglichkeit, diese zu realisieren von beiden Geschlechtern eher unterschiedlich beurteilt. Ist sie für Frauen eine faktische Tatsache und das einzige Modell, in der sie sich vorstellen können, zufrieden leben zu können, betonen Männer eher die Schwierigkeiten und Hindernisse. Studentinnen haben Angst vor finanzieller Abhängigkeit, befürchten, ins alte Rollenbild zurückzufallen oder zweifeln, ob sie nach einer längeren Pause den Wiedereinstieg ins Berufsleben schaffen werden. Das motiviert sie, sich für eine partnerschaftliche Rollenverteilung einzusetzen, die bereits mit der Wahl des Partners beginnt. Die frühzeitige Vorwegnahme dieses Modells führt aber auch zu Anpassungen in der eigenen Biographie. Frauen wählen eher Berufe oder Branchen, in der sie sich eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. die Möglichkeit von Teilzeitarbeit vorstellen können. Anders bei den Studenten: Für sie scheint es – zumindest aus heutiger Perspektive – schwierig zu sein, sich vorzustellen, als Mann den Kinderwagen zum Spielplatz zu schieben oder eine Frau zu haben, die mehr verdient als sie selber. Insofern hat bei der Biographiegestaltung der Männer nach wie vor das Modell des Familienernährers einen grossen Vorbildcharakter.
Auch wenn sowohl Studentinnen als auch Studenten vermehrt eine partnerschaftliche Rollenverteilung einer traditionellen vorzuziehen scheinen, so wird die Möglichkeit, diese zu realisieren von beiden Geschlechtern eher unterschiedlich beurteilt. Ist sie für Frauen eine faktische Tatsache und das einzige Modell, in der sie sich vorstellen können, zufrieden leben zu können, betonen Männer eher die Schwierigkeiten und Hindernisse. Studentinnen haben Angst vor finanzieller Abhängigkeit, befürchten, ins alte Rollenbild zurückzufallen oder zweifeln, ob sie nach einer längeren Pause den Wiedereinstieg ins Berufsleben schaffen werden. Das motiviert sie, sich für eine partnerschaftliche Rollenverteilung einzusetzen, die bereits mit der Wahl des Partners beginnt. Die frühzeitige Vorwegnahme dieses Modells führt aber auch zu Anpassungen in der eigenen Biographie. Frauen wählen eher Berufe oder Branchen, in der sie sich eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. die Möglichkeit von Teilzeitarbeit vorstellen können. Anders bei den Studenten: Für sie scheint es – zumindest aus heutiger Perspektive – schwierig zu sein, sich vorzustellen, als Mann den Kinderwagen zum Spielplatz zu schieben oder eine Frau zu haben, die mehr verdient als sie selber. Insofern hat bei der Biographiegestaltung der Männer nach wie vor das Modell des Familienernährers einen grossen Vorbildcharakter.
Und in der Zukunft?
In Zukunft müssten sich aus Perspektive der Studierenden vor allem die Rahmenbedingungen in Gesellschaft und Unternehmen verändern. Kinderkrippen müssten selbstverständlich und weniger teuer sein, Teilzeitarbeit die Norm – auch in Führungspositionen. Was dabei meist unreflektiert bleibt, ist die gesellschaftliche Dimension dieser Lösung. Von zwei Teilzeitstellen leben zu können, ist ein Privileg besser Verdienender, auch wenn es so einfacher ist, mehr als die «traditionellen» 100 Prozent Einkommen zu generieren. Und wer übernimmt die so «qualifiziert ausgesourcte» Haus- und Erziehungsarbeit? Die Diskussion dieser Fragen leitet auch dazu, das eigene Verständnis von «Mann-sein» oder «Frau-sein» reflektieren zu müssen. Und hier würde ein spannender neuer Weg liegen, die Vereinbarkeitsthematik neu zu diskutieren.
In Zukunft müssten sich aus Perspektive der Studierenden vor allem die Rahmenbedingungen in Gesellschaft und Unternehmen verändern. Kinderkrippen müssten selbstverständlich und weniger teuer sein, Teilzeitarbeit die Norm – auch in Führungspositionen. Was dabei meist unreflektiert bleibt, ist die gesellschaftliche Dimension dieser Lösung. Von zwei Teilzeitstellen leben zu können, ist ein Privileg besser Verdienender, auch wenn es so einfacher ist, mehr als die «traditionellen» 100 Prozent Einkommen zu generieren. Und wer übernimmt die so «qualifiziert ausgesourcte» Haus- und Erziehungsarbeit? Die Diskussion dieser Fragen leitet auch dazu, das eigene Verständnis von «Mann-sein» oder «Frau-sein» reflektieren zu müssen. Und hier würde ein spannender neuer Weg liegen, die Vereinbarkeitsthematik neu zu diskutieren.

