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Lohn(un)gleichheit: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - unabhängig vom Geschlecht!


Veranstaltungsreihe der Frauenzentrale vom März bis November 2009, durchgeführt in fünf Regionen im Kanton St.Gallen

Trotz Gleichstellungsgesetz, das seit 1996 in Kraft ist, gibt es immer noch Lohndiskriminierung. Im Kanton St.Gallen verdienen Frauen für die gleiche Arbeit durchschnittlich 27 Prozent weniger als Männer. Die Schweiz liegt im Vergleich mit anderen – vor allem europäischen – Ländern am Ende der Skala, wenn es um Gleichberechtigung bei der Entlöhnung geht. In den letzten 45 Jahren hat sich die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern um etwa zehn Prozent verringert. Entwickelt sich die Angleichung im gleichen Tempo weiter wie bisher, so wird eine flächendeckende Lohngleichheit erst in 60 bis 70 Jahren erreicht sein. Wollen wir es uns leisten, noch so lange zu warten?

Fachleute informieren an der Veranstaltungsreihe der Frauenzentrale über die Hintergründe der Lohnunterschiede, zeigen auf, wie sie zu überwinden sind und gehen auf Fragen des Publikums ein. Sie richtet sich an berufstätige Frauen, Wiedereinsteigerinnen, Auszubildende und ihre Eltern sowie an Verantwortliche aus Unternehmen, die Massnahmen zur Lohngleichheit ergreifen wollen.

Die Referierenden:
Beda Meier, Kathrin Wirz, Kompetenzzentrum Integration, Gleichstellung und Projekte des Kantons St.Gallen
Stefania Mojon-Azzi, Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitsrecht, St.Gallen
Antonella Bizzini, Infostelle Frau+Arbeit, Weinfelden
Jacqueline David, Synthegra AG Laufbahnberatung, St.Gallen

 
Zwei Referentinnen der Veranstaltungsreihe berichten hier aus ihren Fachgebieten:

Antonella Bizzini zum Arbeitsrecht

Alle Jahre wieder! Das geht mir durch den Kopf, wenn wieder einmal die Statistiken zum Thema Lohn und Lohndifferenz veröffentlicht werden. Alle Jahre wieder! Und  es scheint keine wesentliche Besserung einzutreten. Schwarz auf weiss können wir lesen, dass es eine Differenz in der Lohnhöhe gibt, die nicht erklärt werden kann aufgrund objektiver Kriterien, dass diese Lohnungleichheit also etwas zu tun hat mit unserem Geschlecht: Männer werden bei uns in der Schweiz besser entlöhnt als Frauen – auch wenn Männer die gleiche Arbeit machen wie Frauen!
Eine Ungeheuerlichkeit, an die wir uns offenbar gewöhnt haben. Wie sonst ist zu erklären, dass sich wenige Frauen gegen diese Ungleichheit wehren? Oder ist es die Angst vor einer Auseinandersetzung, die viele Frauen davon abhält, sich zu wehren? Oder finden Frauen gar, dass sie nicht mehr verdienen sollen? Oder wissen etwa viele Frauen gar nicht, ob sie mehr oder weniger verdienen als ihre Kollegen?

Werden Sie selber aktiv
So wie etwa die Frau, die vor einiger Zeit zu mir in die Beratung kam. Sie war Filialleiterin in einem Dienstleistungsunternehmen. Der Zufall wollte es, dass sie an einer Sitzung mit anderen Filialleitern einen Blick auf die Lohnabrechnung eines Kollegen werfen konnte. Dieser verdiente rund 1000 Franken mehr im Monat. Die Frau war schockiert und fragte bei anderen Kollegen nach. Das Bild war dasselbe: Sie verdiente mit Abstand am wenigsten. Sie kam zu mir in die Beratung und wollte wissen, welche Möglichkeiten sie in dieser Situation hätte. Sie hatte, nebst der Lohngleichheit, ein weiteres wichtiges Ziel: Sie wollte ihre Stelle nicht verlieren. Ich klärte sie über ihre Rechte auf, dass sie auch das Recht habe, fünf Jahre rückwirkend die Lohndifferenz zu verlangen, und über die möglichen Vorgehensweisen. Sie entschloss sich, zunächst das Gespräch mit ihren Vorgesetzten zu suchen. Die beiden Vorgesetzten legten ihr daraufhin einen neuen Vertrag vor, der einen neuen, angepassten Lohn vorsah. Um ihre Stelle zu behalten, verzichtete die Frau darauf, die Lohndifferenz rückwirkend geltend zu machen. Dennoch hatte die Frau die beiden Ziele, die ihr wichtig waren, erreicht: Sie erhielt die Lohnerhöhung und sie konnte ihre Stelle behalten!

Es gibt oft viele Hürden, die eine Frau überwinden muss, wenn sie sich entscheidet, ihre Arbeit und damit auch die Bezahlung dafür ernst zu nehmen. Die grösste Hürde jedoch wird nicht von Aussen gelegt, sondern liegt meistens in jeder Frau selbst: Ich muss mich so ernst nehmen, dass ich sogar bereit bin, für mich zu streiten.
In diesem Sinne rufe ich jeder Frau den Satz aus der TV-Kosmetikwerbung zu: «Sie sind es sich wert!»


Jacqueline David zu Lohnverhandlungen

Gemäss einer Studie des BASS (Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien, Bern) vom Mai 2008 verringert sich die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen seit rund zehn Jahren zwar langsam, aber stetig. Das ist erfreulich, auch wenn sich diese positive Entwicklung in der Hauptsache auf das Tieflohnsegment beschränkt. Im Hochlohnbereich hingegen haben die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau in den vergangen Jahren gar zugenommen. So stellt dieselbe Studie in ihrer Zusammenfassung fest, dass Männer heute im Durchschnitt noch immer 24 Prozent (!) mehr verdienen als Frauen in jeweils vergleichbaren Positionen.

Das macht betroffen, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Gleichstellung der Frau – zumindest in der westlichen Zivilisation – eigentlich von niemandem mehr angezweifelt wird. Ganz im Gegenteil wird die Lohngleichheit heutzutage selbst von Männern gewünscht, sind sie als Teil der neuen Familienmodelle doch meist direkt mit betroffen, wenn ihre Frauen ein kleineres Gehalt nach Hause tragen als deren männliche Kollegen.
Trotz all der erreichten Fortschritte hat das Gleichstellungsgesetz somit seit seiner Einführung im Jahr 1996 (noch) immer nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Nachdenklich stimmen muss dies besonders bei uns in der Ostschweiz, wo die Diskriminierungsquote mit 12.2 Prozent deutlich über dem Landesmittel (9.1 Prozent) liegt und den Frauen nur im Tessin noch schlechtere Durchschnittslöhne bezahlt werden als bei uns.

Wer trägt die Verantwortung für gerechte Löhne?
Tröstlich ist allerdings, dass sich selbst die Ostschweiz in Sachen Lohngleichheit Jahr um Jahr verbessert. Die weitere Entwicklung aber einfach dem Schicksal zu überlassen, war und ist der falsche Ansatz. Denn selbst wenn es stimmt, dass zahlreiche Unternehmen und insbesondere einzelne Branchen sich zu weigern scheinen, ihr Lohngefüge auf das Gleichstellungsgesetz abzustimmen, greift es dennoch zu kurz, die Verantwortung für gerechte Löhne einseitig bei den Arbeitgebern zu sehen. Dass so manche Frau zu einem viel zu tiefen Lohn arbeitet, liegt nicht selten auch an ihr selbst. So zeigt sich denn auch in der Praxis, dass viele Frauen im Bewerbungsprozess darauf verzichten, an der Lohnverhandlung – die notabene ein fester Bestandteil des Bewerbungsgesprächs darstellt – aktiv teilzunehmen. Über den zukünftigen Lohn zu verhandeln ist vielen Frauen (und übrigens auch vielen Männern) derart unangenehm, dass sie es vorziehen, sich mit dem zufrieden zu geben, das man ihnen anbietet. Die Angst, mit einem fordernden Auftreten allenfalls die Stelle zu riskieren, ist also nicht einmal vordergründig, obschon auch sie ein Grund sein mag für ein zurückhaltendes Auftreten beim Aushandeln des künftigen Gehalts.

Lohnverhandlung mit Spielregeln
Professionell geführte Lohnverhandlungen verlaufen nach klaren Spielregeln und Grundsätzen; Spielregeln und Grundsätze, die man einüben kann. Dass sich immer mehr Unternehmen die Freiheit nehmen, von diesen Spielregeln abzuweichen, liegt nicht zuletzt daran, dass niemand sie daran hindert. Bewerbungstrainings behandeln die Lohnverhandlung daher mit besonderem Gewicht und bereiten die Stellensuchenden darauf vor, sich auch im Lohngespräch überzeugend, verhandlungsstark und jederzeit souverän zu bewegen. Es macht sich im wahrsten Sinne bezahlt!

An der Veranstaltungsreihe «Lohn(un)gleichheit» der Frauenzentrale vermittle ich praktische Tipps und wertvolle Anregungen zur Vorbereitung einer Lohnverhandlung. Denn Eines steht fest: Die Personalleute sind vorbereitet!