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SCHWERPUNKT-THEMA des aktuellen Mitteilungsblattes 1/13


Frauennetzwerke in der Ostschweiz
Ein Versuch zur Orientierung

Netzwerken gehört mittlerweile zum modernen Arbeitsalltag – nicht nur im Rahmen der social media Plattformen des Internets. Gerade auch an realen Zusammenkünften bietet sich die Gelegenheit zu persönlichem Austausch, dem Knüpfen und Pflegen von Kontakten. Zahlreiche Angebote ausschliesslich für Frauen verfolgen das Ziel, diese in ihrem beruflichen und unternehmerischen Wirken zu unterstützen und zu fördern.

Seit letztem Sommer gibt es in der Ostschweiz mit den «Leaderinnen Ostschweiz» neu einen Verein für Business-Frauen. Vielen mag das entgangen sein; einige werden sich gefragt haben: «Noch ein weiterer? – Es gibt doch schon so viele.» Grund genug, sich die Landschaft von frauenspezifischen Businessnetzwerken in unserer Region einmal näher anzuschauen, um ein wenig Übersicht und Orientierung zu bekommen.

Clubs mit internationaler Reichweite

Zu den Clubs mit internationaler Reichweite gehören die Business and Professional Women, kurz BPW. 1934 von einer Amerikanerin in Genf gegründet, sind sie nach eigenen Angaben schweiz- und weltweit der bedeutendste Verband berufstätiger Frauen. In der Schweiz gehören der Organisation rund 2500 Frauen aus verschiedenen Berufen, Positionen und Branchen an, die in über 40 lokalen Clubs in allen Regionen der Schweiz organisiert sind. Den Club St.Gallen/Appenzell gibt es schon seit über 60 Jahren. Er hat derzeit 55 Mitglieder, die über ihre monatlichen Treffen ein aktives Clubleben pflegen. Das kann sehr nützlich sein, wenn man neu in einer Stadt ist und niemanden kennt.
Zu den Mitgliedern zählen Frauen in verantwortungsvollen Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und Frauen, die am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen. BPW bringt sie mit gezielter Förderung z.B. über Mentoring, einem Personal Empowerment Programm und BPW-Erfolgsteams auf ihrem Berufs- und Karriereweg wie auch in der persönlichen Entwicklung weiter. Auf der Homepage von BPW Switzerland gibt es auch eine Stellenplattform für Mitglieder.
BPW sind auch in europäischen und internationalen Gremien (UNO, WHO, EWL, ILO etc.) vertreten und nehmen darüber hinaus aktiv Einfluss im Interesse und für die Interessen berufstätiger Frauen. Auch ist der Equal Pay Day, der Tag der Lohngleichheit von Frau und Mann, beispielsweise ein Produkt dieses Verbandes.

Als die weltweit grösste Organisation von berufstätigen Frauen in leitender Stellung bezeichnet sich Soroptimist International (SI), gegründet 1921 in den USA. Die Schweizer Union gibt es seit 1950, den Club St.Gallen/Appenzell seit 1988. SI engagiert sich durch das weltweite Netzwerk und internationale Partnerschaften für Menschenrechte für alle, weltweiten Frieden und internationale Verständigung, verantwortliches Handeln, ehrenamtliche Arbeit, Vielfalt und Freundschaft. Pro Club darf eine Berufsgattung nur einmal vertreten sein, wobei alle Berufe und Klassifikationen anerkannt werden. Mitglied wird man auf Einladung des Clubs und dann nach einstimmiger Wahl.

Auch Zonta International gehört zu den weltweiten multikulturellen Netzwerken berufstätiger Frauen mit Führungsverantwortung in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaften. 1919 in den USA gegründet, gehen auch die lokalen Projekte der einzelnen Clubs in Lichtenstein und in der Schweiz (insgesamt 23 Clubs mit über 650 Mitgliedern) weit über die ausschliesslich berufliche Förderung von Frauen hinaus. So unterstützt der Zonta Club Ostschweiz (1998 gegründet; zurzeit 8 Mitglieder) jedes Jahr lokale und internationale Projekte zugunsten von Frauen, so z.B. wie in diesem Jahr das Frauenhaus St.Gallen.

Nationale Zusammenschlüsse mit Vertretungen in der Ostschweiz

Der Verband der Wirtschaftsfrauen Schweiz, 1999 in Basel gegründet, vernetzt und fördert Frauen in Kaderpositionen sowie Unternehmerinnen und bildet mit seinem Kompetenz- und Dienstleistungs-zentrum eine attraktive Drehscheibe für Firmen und Institutionen, die Frauen gezielt fördern. Zu ihren Zielen gehören auch die Förderung und das Mentoring von Nachwuchstalenten. Sie engagieren sich gemäss ihres Mottos: «Erfrischendes Selbstbewusstsein lässt Wirtschaftsfrauen Grenzen sprengen» für mehr Mitsprache, Karrierechancen und Einfluss von Frauen in der Schweizer Wirtschaft. Den Mitgliedern (rund 700 Einzelmitglieder sowie Firmen aus Dienstleistung, Gewerbe, Handel und Industrie und Verbände, Institutionen und Gönner) und Interessentinnen wird ermöglicht, an nationalen und regionalen Events Erfahrungen und Best Practices auszutauschen. In St.Gallen finden regelmässig Business Lunches statt.

NEFU ist ein 1993 gegründeter loser Verbund von Einfrau-Unternehmerinnen. Weder Verein noch Club, sondern als ein Netzwerk bietet es seinen Mitgliedern eine Fülle von Angeboten zur gezielten Förderung des unternehmerischen Erfolgs. Mit der Zielgruppe Einfrau-Unternehmen verfügt es über ein deutliches Profil. Treffen in der Ostschweiz finden in St.Gallen statt.

Das Forum Kaufmännisch tätiger Berufsfrauen, kurz FOKA, versteht sich als Vereinigung von Berufsfrauen, die kaufmännisch tätige Angestellte, Familienfrauen und Unternehmerinnen anspricht: «Denn alle sind wir doch in einer Weise kaufmännisch tätig, sei es im Büro oder zu Hause». Fünf Sektionen, verteilt über die deutsche Schweiz, bieten monatliche Informationsforen an zu berufsnahen Themen aus Wirtschaft, Kommunikation und vielem mehr. Hierzu sind explizit auch Männer als Gäste willkommen.

Angebote aus der Region für die Region

Das Online-Vernetzungsmagazin ostschweizerinnen.ch gibt es seit Beginn dieses Jahrtausends – im kommenden Juni feiert es sein zehnjähriges Bestehen. Hier treffen sich Ostschweizerinnen unabhängig von Zeit und Ort, zeigen ihre Kompetenzen und Angebote, diskutieren, tauschen Ideen aus, begegnen und vernetzen sich. Der Verein ostschweizerinnen.ch sensibilisiert zudem Frauen und Schülerinnen für das Medium Internet, für Medienberufe und Medienweiterbildungen.

Der im 2012 gegründete Verein Leaderinnen Ostschweiz fördert die Vernetzung und Stärkung von Frauen, die in der Ostschweizer Wirtschaft Führungs- und Fachverantwortung übernehmen – auch unter Einbezug männlicher Kollegen –, und die sich als Frauen in Gesellschafts- und Arbeitsstrukturen bewähren und diese wie sich selber weiterentwickeln wollen. Damit sie auch Vorbild und Erfahrungsreferenz für andere tatkräftige Frauen in der Wirtschaft sein können, zeigen die Leaderinnen Ostschweiz besonders auch gegen aussen ihre Leistungskraft, wofür sie sowohl die Online Vernetzung über Facebook und ihrer Xing-Gruppe nutzen als auch die regelmässig jährlich erscheinende Spezialausgabe LEADERIN des Magazins Leader.
Ihre Angebote sind vielfältig und bringen sich in verschiedenen Gefässen sehr erfrischend, anschaulich und systematisch zum Ausdruck. So steht hinter IMPULS ein Kompetenzforum, das vierteljährlich Themen zur Erweiterung der Fach- und Sozialkompetenz anbietet. Acht Mal im Jahr kann man bei einem Mittagessen im Rahmen von INTERMEZZO andere Leaderinnen in lockerer Atmosphäre kennen lernen, unter dem Titel FOKUS gibt es Einblicke in Firmen und Marken der Ostschweiz und mit PRISMA lässt sich an ausgewählten Veranstaltungen andere Eindrücke in das Leben in der Region gewinnen.

Fazit

Angebote, die Frauen in ihrem beruflichen Fortkommen unterstützen, gibt es bei uns genug. Sie sind darüber hinaus auch vielfältig, so dass Frau ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen und Zielen ihr passendes finden und vor allem auch nutzen kann.
Doch Frauen werfen ihre Netze immer noch zu wenig für das berufliche Fortkommen aus. Netzwerken ist in diesem Sinne auch eine Schlüsselkompetenz, die aktives Engagement erfordert. Es heisst ja auch netzwerken und nicht netzhöcklen. Aber das ist schon wieder ein neues Thema…

Annette Nimzik, Vorstandsmitglied

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